Zwergrauhaarteckel von den Argoatjägern FCI, züchten aus Leidenschaft

Blue Ivy von den Argoatjägern, Opfer ihres Frauchens und einer Schere

Blue Ivy kam nach fast 7 Jahren zu uns zurück. Sie wurde anfangs noch getrimmt und hatte sehr gutes Rauhaar (siehe ihre Bilder). Leider hat sie anschliessend ihr Frauchen jahrelang mit der Schere bearbeitet, die Konsequenzen sehen Sie an den Bildern hierunter. Die Haare wurden vor allem am Körper geschnitten, der besteht nur noch aus Nothaaren. Die Hündin hat sie sich an der Seite selbst rausgeschubbert oder gerobbt. Es muss sie höllisch gejuckt haben. 

An der Brust sind die Nothaare der an sich saufarbenen Ivy  genauso dominant, hier kam sie nur nicht dran, um sie sehr rauszuziehen. Typisch für solche Hunde mit Trimmmangel: fängt man an, ist plötzlich alles voller Schuppen. Diese bilden sich stark, wenn die Pflege nicht haargerecht ist. Das Haar ist sehr weich, hat mir Rauhaar nichts mehr gemein. Ich habe sie gezüchtet und sie getrimmt mit 3 Monaten abgegeben, gut kann ich mich erinnern, dass sie sehr rauhes Haar schon in dem Alter hatte, davon ist keine Spur mehr vorhanden. Nun werde ich versuchen, meiner Maus wieder zu einer komfortablen Mähne zu verhelfen.

Der erste Schritt ist getan. Die Zähne wurden später auch noch gemacht.


Ivy lebt jetzt bei guten Freunden und wir werden weiter alles tun, um den Haaren wieder zu einer besseren Qualität zu verhelfen. Die niedliche Maus hat sich jedenfalls anschliessend deutlich wohler gefühlt und war sehr fröhlich.

Obi, ungewollt von seinem Frauchen verunstaltet

Obi ist ein 15 Monate alter französischer Zwerg in der Farbe braun, bei dem sich nur ansatzweise erkennen lässt, wie er vor einem Jahr ausgesehen hat.


Obi wurde als dunkelbrauner kleiner Rüde geboren. Er ist nicht kastriert und hätte sich eigentlich mit dieser schönen kontrastreichen Farbe weiterentwickeln müssen, ähnlich wie unser Joe. Wie man an den von der Halterin zur Verfügung gestellten Bildern sieht, ist hier jedoch etwas gründlich schief gelaufen.


Was ist bloss passiert?


Da sie niemanden finden konnte, der ihn wirklich zupft und nicht das Haar schneidet, ist die Halterin zur Züchterin gefahren. Sie hat sich zeigen lassen, wie man trimmt, hat sich ein sehr gutes scharfes Trimmmesser beschafft  und sich selbst an ihren Hund gemacht. Keiner hat sie darüber aufgeklärt, dass das nicht gut gehen kann, man lernt es nicht „eben so“ wenn man es gezeigt bekommt, es dauert sehr lange bis man in der Lage ist, perfekt damit umgehen zu können. 


Trimmmesser heissen “Messer", weil sie schneiden, das ist tatsächlich nicht jedem klar.  Manche sind mehr oder minder stumpf, ich nutze für meine Hunde extrem scharfe, an die ich mich erst nach 8 Jahren Praxis gewagt habe. 


Die Kunst ist, sie so anzuwenden, dass sie sich nur im totem Haar einhaken, um es kontrolliert und gleichmässig zu zupfen. Dies kann man sich nicht abschauen, es erfordert sehr viel Training und das Beherrschen unterschiedlicher Techniken, für die auch eine Vielzahl unterschiedlicher Messer benötigt werden. Sie sind auch der Grund, weshalb man öfter Dackel mit Schachbrettmuster sieht, denn wer die Techniken nicht lange geübt hat und beherrscht, produziert ungewollte Muster im Fell. 


Trimmmesser verzeihen keine Fehler, wenn man sie nicht sehr filigran und feinfühlig führt, passiert genau, was hier zu sehen ist, die Haare wurden nicht gezupft sondern geschnitten und es endet ähnlich wie bei einem geschorenem Dackel, mit etwas besseren Ergebnissen, weil nicht jedesmal alle Haare erwischt werden. 


Die Frage ist, kann man das Haar dieses Dackels noch retten? Ja! Wenn man weiss wie.

3 Monate 

ca. 12 Monate

ca. 12 Monate

15 Monate

Die Pfote konnte die Halterin zum Glück nicht machen, das liess er sich nicht gefallen und hier kann man gut sehen, dass die Haare obwohl sie viel zu lang sind (und schon lange abgestorben…), eine gute Qualität haben. Dieser Dackel müsste sehr rauhes, strackes Haar haben.

Sieht man sich das Haar (schon ein wenig von den grauen Nothaaren befreit) näher an, findet man zweierlei: einerseits viele weisse Nothaare, die sich buchstäblich aus der Not gebildet haben (siehe die Erklärungen ganz oben) und tatsächlich gibt es noch dunkle Haare.

Werden die Haare auf ein Blatt gelegt, sieht man den Zustand sehr gut. 


Es finden sich viele sehr feine Flusen und feine weisse Nothaare und tatsächlich noch viele dunkle Stichelhaare, wenn auch ein wenig dünn. 


Hier gibt es sehr gute Chancen, die Haare zumindest zum Grossteil wieder herzustellen. 


Dafür benötigt es Zeit, Regelmässigkeit, die richtigen Zusätze im Futter, Vertrauen und sehr viel korrekt angewandte Technik.

An der Rute ist noch die Originalfarbe zu erkennen.




Zuerst müssen so viele Haare wie möglich entfernt werden, alle abgestorbenen Haare müssen raus, dabei grundsätzlich die erwischbaren Nothaare. Sie versteht es richtig, es wird sortiert, so dass nur das stehen bleibt was soll. Hierzu werden die entsprechenden Trimmmesser mit der richtigen Technik angewandt.


Auf dem Bild links ist gut zu sehen, dass sogar hier und da normal dicke, gesunde, braune Stichelhaare zu finden sind. Das Unterfell ist quasi nicht existent, nur ganz minimal zu finden. Dies ist eine direkte Konsequenz der falschen Haarbehandlung. Es ist leider nicht immer rückgängig zu machen, doch habe ich schon mehrfach festgestellt, dass es sich wieder aufbaute.


Rechts sehen Sie einen Teil der Haarpracht, die noch an der Seite des Schenkels hängt. 


Da kam die Halterin nicht gut ran und es ist erkennbar, wie der Hund eigentlich aussehen sollte. Hier wird das Nothaar-Drama sofort ersichtlich. Ob man sie Nothaare oder anders nennt, ist dabei nicht von belang. Es geht nur darum zu wissen, wie sie enstehen, dann sind sie vermeidbar. Man sollte nie vergessen: Die meisten Rauhaardackel mit erschreckend weichem, farblosem Haar sind nicht so geboren worden, sie wurden von Menschenhand geschaffen. Falsch behandelt, verändert sich das Haar genau wie hier geschehen.

So sieht es hinten nach der Entfernung der Haare aus. Da werden noch monatelang Nothaare, die sich noch unterhalb der Haut befinden, spriessen. Ziel ist zuerst ein Jahr, die Entwicklung verfolgen wir.


Hierunter der Körper nachdem möglichst viel rausgeholt wurde. Die Bauchhaare werden nach und nach von der Halterin entfernt, nur mit den Fingern.

Der Kopf ist immer eine schwierigere Angelegenheit. 


Zum Glück wurden weitgehend die Finger vom Bart gelasssen, die Farbe zeigt an, wo geschnitten wurde, das grau-weiss ist nicht zu übersehen.


Und so sieht das vorläufige Ergebnis aus.


Die erste Etappe ist geschafft, es ist ein Anfang, der Anfang einer Fellrettung und ich bin zuversichtlich, dass dem kleinem Obi wieder zu einem schönem, gesundem, nicht mehr juckendem Haar verholfen werden kann.

Regelmässig bekommen wir Bilder von Obi aus seiner fernen Heimat, damit alle sehen können, wie sich das Haar wieder erholt.

Plus 7 Tage


Plus 2 Wochen

Plus drei Monate

Plus einen Monat

6 Monate später

So langsam kommt die Farbe zurück. 


Obi besteht immer noch vor allem aus farblosen Nothaaren, die typisch lockig und weich sind. Diese werden noch lange wiederkehren, es dauert mitunter Jahre, bis sie nicht mehr auftauchen, denn sie sind noch in der Wachstumsphase und müssen erst alle rausgewachsen sein, dann absterben, damit sie gezupft werden können. Trotzdem ist eine deutliche Besserung festzustellen.


Der Kopf erholt sich schneller als der Körper, weil hier von der Halterin weniger gemacht wurde.

Ein Bild des Rückens nach ca. 6 Monaten zeigt, dass die Farbe sich deutlich gebessert hat und auch den Grund dafür. 


Auf diesem Bild sieht der aufmerksame Leser viele deutlich rauhe dunkle Stichelhaare und noch besser: sie sind auch gut fühlbar. Er ist nicht mehr nur weicher Plüsch. 



Eine noch grössere Aufnahme macht die Veränderung deutlich: durch das konsequente entfernen der Nothaare wachsen nun auch wieder richtig dicke, starke und dunkelbraune Haare, die sehr gut sichtbar sind.


Auf der Grossaufnahme sind auch für Laien sehr gut die rauhen Haare zu erkennen und der Kontrast zu den lockigen, weichen und farblosen Nothaaren könnte kaum grösser sein. Die Nothaare sind durch die falsche Behandlung der Haare entstanden (Schnitt statt Zupfen), es sieht aus, als würde sich bei Obi der Prozess umkehren lassen, zum Glück ist Obi mit gesundem Haarwuchs gesegnet, die Reise ist noch nicht zu ende.



Der Kopf sieht schon ziemlich gut aus.

Die Entstehung von Nothaaren als Konsequenz des Haarschnitts bei Rauhaardackeln und die Möglichkeit einer Rückverwandlung zu normalem Rauhaar

Was sind Nothaare beim Rauhaarteckel

Nothaar“ ist ein Begriff, den ich nach jahrelanger Recherche und Erfahrung mit Rauhaardackeln, sowie den Konsequenzen falscher Haarbehandlung geprägt habe. 


Mir ist an meinen eigenen Teckeln und denen meiner Familie  und Freunden aufgefallen, wie sich die Haare verändert haben, je nachdem wie sie behandelt wurden. Das hat Fragen aufgeworfen und ich begann, das darüber umfangreich im Ausland zu recherchieren, weil in Deutschland zu diesem Thema nichts zu finden war. Es ist selbst im professionnellem Bereich, bei Züchtern, Richtern, Zuchtwarten oftmals nicht bekannt, welche Konsequenzen nach einem Haarschnitt zu erwarten sind. Aufklärung erscheint mir das wichtigste, den so kann ich vielen Teckeln helfen, sich wohler in der eigenen Haut zu fühlen.

Die Abläufe des Haarwachstums beim Rauhaar

Die Haare wachsen in 3 Phasen: das Haar wächst (anagene Phase), nach einer Ruhezeit (catagene Phase) stirbt es ab (telogene Phase). 


Bei Hunden welche nicht rauhaarig sind (z. B. der Schäferhund mit seinem Stockhaar oder dem Kurzhaarteckel) und auch beim Menschen, wird das Haar nach der telogenen Phase von dem nachwachsenden Haar aus dem Kanal herausgestossen. Bei rauhaarigen Hunden ist es jedoch anders. Das abgestorbene Haar bleibt im Haarkanal stecken, weil es kleinste Häckchen an der Wurzel hat und dieser Haarbalg sehr dick ist. Auf dieser Grossaufnahme kann man gut die Struktur des gesunden rauhen Haares erkennen. Es ist kräftig, hier sogar zweifarbig (das ist oft vorzufinden) und der Haarbalg ist wie eine kleine Kugel, so dass das Haar wie ein Korken im Flaschenhals stecken bleibt.

Der Grossteil der abgestorbenen Haare kann nach der telogenen Phase nicht vom neuem Haar aus dem Haarkanal geschoben werden, es steckt fest. 


Haargesunde Rauhis fangen an, sich frenetisch und äusserst kreativ unter Nutzung des Mobiliars und der Bodenbeläge zu kratzen. Sie schrubben sich an:

 

- Möbeln (Sofaseiten), 

- auf  Teppichen, Fussabtretern, 

- unter Couchtischen, 

- draussen im Grass. 


Oft wird auch gesehen, wie sie sich mit spitz geschürzten Lefzen in die Oberschenkel und Flanken beissen. Sie kauen auf Ihren Pfoten. 


Gerne wird dieses Verhalten fehlgedeutet: der Hund möchte eigentlich nur die juckenden Haare loswerden,  stattdessen wird im Flohbefall oder eine neu modische Glutenallergie (wenn keine Flöhe gefunden werden)  angedichtet. Er wird auf Spezialdiät gesetzt. 


Nach einiger Zeit hört der Hund auf sich zu jucken, er gibt auf und lebt mit dem unangenehmen Gefühl. Sie können sich das nicht vorstellen? Ich kann mich erinnern, dass es ähnlich auf Segeltörns war, bei denen wir eine Woche auf Hochsee waren. Das  Süsswasser gab es nur zum trinken, nicht zum duschen. Nach spätestens 2-3 Tagen juckt die Haut. Man hört nach einiger Zeit auf sich zu kratzen, weil es die Sache nicht besser macht und akzeptiert die Tatsache, versucht es zu ignorieren. Den Hunden geht es nicht anders.

Die korrekte Behandlung wäre jetzt, das tote Haar durch sanftes zupfen zu entfernen und den Haarkanal dadurch frei zu machen für ein neues, kräftiges Haar. 


Oft kennen die Halter nicht die Bedürfnisse ihres Hundes in Sachen Haarpflege, es wird entweder gar nichts gemacht (die gering üble Variante, auch wenn das Haar dadurch leidet) oder es wird geschnitten oder gar geschoren. So legen sie den Grundstein für die Verwandlung in Nothaare (feine weiche Haare). 


Es wird von völlig Unkundigen und sogar häufig von Hundefriseuren den Haltern eingeredet, Trimmen (im Sinne von Zupfen) sei eine Quälerei für den Hund. Empfiehlt man in einem Forum, den Hund korrekt zupfen zu lassen, erntet man schnell einen aggressiven Shitstorm, basierend auf absolutem Wissensmangel. Wer einen guten Trimmer erlebt hat, weiss, dass Trimmen nichts mit Quälerei zu tun hat, die Hunde geniessen es sogar. 


Bei ahnungslosen Haltern wird der Hund meist geschnitten oder geschoren (ob teilweise wie nur die Beine oder der Kopf, weil diese Partien deutlich schwieriger zu zupfen sind, wenn es gut aussehen soll oder von vorne bis hinten) und sie wundern sich später über die Verwandlung, die ihr Vierbeiner in relativ kurzer Zeit durchmacht - was an den Beispielen hierunter zu sehen ist.

Als Folge des Schneidens entstehen die Nothaare

Das rauhe Haar ist am Ende des Wachstums angelangt, es ist abgestorben, bleibt jedoch hängen und verstopft den Haarkanal


Statt durch zupfen entfernt zu werden, wird es abgeschnitten. Dabei ist nicht relevant wie kurz und womit, von der Nagelschere bis zur Schermaschine über falsch geführte scharfe Trimmmesser, das Ergebnis ist gleich, unabhängig davon, wo sich das Haar am Hund befindet. Das gilt insbesondere auch für das oft gesehene “schön runde Konturenschneiden” des Bartes und der Pfoten. Dieses betont, dass der Person mit der Schere in der Hand nicht klar ist, dass es sich um eine Jagdhunderasse und nicht einen Westie handelt.

Das Unheil nimmt seinen Lauf.


Ein neues Haar in der anagenen Phase wächst im verstopften Haarkanal unter dem alten und möchte raus an die Luft. 


Problem: das abgeschnittene Haar steckt wie ein Korken im Flaschenhals fest und bei Rauhaar kann das nachwachsende Haar anders als bei anderen Haartypen wie z.B. Kurz- oder Stockhaar das abgestorbene nicht einfach herausschubsen. 


Um rauswachsen zu können, muss das Haar deutlich feiner werden als von der Natur vorgesehen, es verändert sich und schlängelt sich  so an dem altem vorbei. 


Es entsteht ein aus der Not geborenes Haar, ich nenne es deshalb „Nothaar“. Man konnte auch sagen Flusen, Seidenhaar, Pflaum aber der Begriff Nothaar trifft es für mich am besten.


Dieses Nothaar ist nicht nur deutlich dünner und weicher, es ist meist wellig und verliert auch die Pigmentierung, schwarzrote und braune Hunde werden silbergrau und sehen kaum noch nach Teckeln aus. Bärte werden gräulich, statt starker Haare bilden sich durch das rund schneiden feine, fusselige, verfilzende unpigmentierte Bärte. Diese werden dann meist der Genetik angedichtet, wurden jedoch oft durch den Menschen und seinen Drang zur Schere zu greifen gemacht.

Werden die Haare immer wieder geschnitten/geschoren statt gezupft, folgt Nothaar auf Nothaar und in jedem Kanal können mehrere tote Haare stecken, die anormal fein sind, blass, oft wellig oder lockig. Die Unterwolle, welche in eigenen Haarkanälen um jedes Stichelhaar (Name des rauhen Haares) wächst, verschwindet teilweise oder völlig. Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist der kleine Berliner Ludwig.

Wird viel zu spät gehandelt, kann es passieren, dass die Haarfolikel keine rauhen Haare mehr produzieren, sondern nur noch seidiges Haar, welches eher wie das eines Yorshire Terriers aussieht. Diese Haare sind meist nicht mal mehr trimmbar und damit nicht mehr zu retten. 


Gismo’s Freund Ben, rechts auf dem Bild, wurde 10 Jahre lang geschoren. Ausgehend von der Endfarbe, gehe ich davon aus, dass er als schwarzroter geboren wurde. Die dunkle Originalfarbe ist noch dort sichtbar, wo der Hundefriseur sich nicht getraut hat zu schneiden, unter den Augen. Ben ist mittlerweile im Hundehimmel, er gehörte einer Bekannten und ich konnte sein Haar gut untersuchen. Es war nicht mehr möglich, es schmerzfrei zu zupfen. Dieses Haar hatte nichts mehr vom Rauhaar. Es hat ihn nicht geschützt, es waren nur weiche Fusseln.

Meist ist es einen Versuch wert, eine Haarrettung einzuleiten, sofern nicht jahrelang wiederholt geschoren/geschnitten wurde.  Wichtig ist es, zu erkennen ob inmitten des zerstörten Haarfeldes noch einzelne wirklich rauhe Haare zu finden sind. Es erfordert einiges an Erfahrung, eine Einschätzung zu den Chancen abgeben zu können und die Veränderung in die Wege zu leiten, die Diagnose sollte ein guter erfahrener Trimmer erstellen können. Auf dem Bild links können Sie den Unterschied zwischen den rauhen Haaren, der Unterwolle und den Nothaaren gut erkennen.


Die kleine Berlinerin Greta und der Franzose Obi sind gute Beispiele für Fellrettungen und ich danke den Haltern, die mir die Bilder zur Verfügung stellen. So kann jeder sehen, wie die Haare sich erst durch die falsche Behandlung bis zur Unkenntlichkeit verändert haben und anschliessend fachgerecht wieder aufgebaut wurden.

Greta ist eine Dackeldame aus guter Zucht und hatte von Geburt an richtig schönes, rauhes Haar

Leider hatten weder das Frauchen noch die Berliner Hundefrisöre Ahnung über die korrekte Haarpflege und es ist das passiert, was immer wieder auf geposteten Bildern stolzer Dackelhalter bewundert werden kann: Rauhaardackel die geschnitten/geschoren werden entwickeln weiches, farbloses Haar (die sogenannten Nothaare), welches nicht schützt und Locken schlägt. Das Unterfell verschwindet dabei völlig.

Ca. 6 Wochen alt

Mit ca. 2 Monaten:  die Haarpracht ist normal entwickelt.


Greta als Welpe bei der Züchterin (geschätzt 6 Wochen alt): sie hat sichtbar gutes, gesundes Haar mit satter Farbe, dabei sind es noch Welpenhaare und die sind von Natur aus deutlich feiner.


Die Hündin zeigt exzellente Haaranlagen. Sie wird richtig rauh und drahtig werden.

Zwischen 3 und 4 Monaten wird die Basis für gutes Haar gelegt, jetzt muss eine erfahrene, sehr ruhige Person anfangen zu trimmen. 


Gut zu erkennen: die Pfoten sind schon “reif”. 


Wer jetzt Fehler macht (schneidet/schert) bezahlt es mit grossen Verlusten der Haarqualität. Die schlechten Haare an den Beinen und Pfoten sind meist nicht erblich bedingt, sondern eine direkte Konsequenz der falschen Behandlung, heisst schneiden oder sie so lassen und ignorieren. Werden sie rechtzeitig gezupft, entwickeln sie sich gut.


Leider hat der unkundige Hundefrisör das Haar geschnitten.

Ca. 3 Monate

Ca. 5 Monate

Rechts die gleiche Hündin einige Zeit nach der ersten falschen Haarbehandlung. 


Oft gehörte Ausreden der Hundefrisören, die nicht trimmen können: 

  • das geht nicht, ist zu weich (das sind auch Welpenhaare, die sind nunmal so weich)
  • die ist doch viel zu jung (egal wie jung: wenn die Haare leicht zu zupfen sind, sind sie reif), 
  • das tut ihr doch weh!  (Welpen schreien sehr laut, wenn es weh tut… tun sie jedoch nie)

Diese Aussagen beruhen auf zwei Tatsachen: diese Personen wissen nicht, was korrektes trimmen ist und/oder haben nicht vor, sich die Arbeit zu machen. Es ist viel einfacher, Ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden und dem Hund mittels Schere bzw. Schermaschine das Haar zu zerstören. 

Bei Greta wurde von den “Profis” gesagt, sie hätte Dandie Dinmont Haar und das könnte nur geschnitten werden. Dabei hatte sie nur absolut normales Welpenhaar, das von Natur aus feiner ist, wird es rechtzeitig gezupft, entsteht in Folge sehr schönes Rauhaar.

1 Jahr

Das Haar verändert sich dramatisch durch wiederholte falsche Behandlungen. 


Dadurch dass es nicht fachgerecht gezupft wurde, verliert es an Stärke und Farbe. Es wird blass, weich und schlägt Wellen. Bei manchen Hunden kommt es sogar zu Locken.


Sehr gut im Bild links ist zu sehen, wie der Hundefrisör den Hund verhunzt hat: 


Der Bart wurde geschnitten, ein absolutes no-go, welches das Haar zerstört hat. Unter den Augen und an den Pfote sind noch traurige Reste (rötlicher), weil die Dame sich dort nicht gerne anfassen lässt, der Friseur kam nicht gut dran. Die Farbe ist insgesamt viel zu hell, die Haare seidig. Auch die Ohren und die Augenbrauen sind betroffen. Die Haare am ganzem Körper sind deutlich verändert. 


Der einstmal schöne Rauhaardackel verwandelt sich. Von der roten Schönheit ist bereits nichts mehr zu sehen und das hat nichts mit natürlicher Entwicklung zu tun. Es ist die direkte Konsequenz der falschen Behandlung. Ein wenig so, als würden Sie sich die Haare mit Säure waschen und wundern, dass sie davon nicht fantastisch in Griff und Glanz werden.

Erschwerend kam bei Greta hinzu, dass sie früh kastriert wurde, das ist schon an sich bei vielen Rauhis ein Haarkiller, bei ihren sehr guten Anlagen hätte es aber ein weniger grosse Rolle gespielt.






So sah Greta mit gerade mal 14 Monaten aus!

1 Jahr

Hier sieht man gut, was passiert, wenn rauhes Haar völlig gegen seine Natur behandelt wird. Die Halter wurden daraufhin immer öfter gefragt, was das für eine Rasse sei, ob es sich um eine Kreuzung von Dackel und Yorkshire Terrier handeln würde. 


Greta war ursprünglich rot (früher Dürrlaub genannt). Ein geschnittener / geschorener saufarbener Dackel wird beige-hellgrau, braune dreckig-beige und schwarzrote werden silbergrau.

Zeit für einen Rettungsversuch

Nach genauer Prüfung fiel auf, dass überhaupt keine Unterwolle mehr vorhanden war, zwischen den Nothaaren waren aber noch vereinzelt normal dicke rauhe Haare in schwarz und rot zu sehen, ein gutes Zeichen. 


Links ist bereits ein Teil des Körpers gezupft worden, der ganze Hund sah wie das Bein aus, bestand aus diesen langen lockigen blonden feinen Strähnen.

Bei solchen Notfellen hilft zuerst nur eine Methode: 


Alles muss runter!


Also einmal nackig machen bitte und zwar ohne einen einzigen Schnitt! 

Es muss gezupft werden, was nicht einfach ist.  Die Nothaare lassen sich deutlich schlechter zupfen als gesundes Rauhaar.

Zeitrahmen:

0

Start

Ihr reicht es erstmal, was verständlich ist. Es ist der Preis für die Verwandlung in ein stärkeres, gesundes und natürlich wachsendes Fell, welches sie nicht mehr juckt.

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3 Monate später

Nur 3 Monate nach der erstem Entfernung der Nothaare und dem zweitem Trimmdurchgang sieht Greta bereits wieder wie ein richtiger Rauhi aus. 

Das ist noch lange nicht das Endergebnis.

3 Monate nach der Entfernung der Nothaare

Zeitrahmen:

+ 3

Monate

Zeitrahmen:

0

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Start

Start

Oben sehen Sie den Rücken 3 Monate nach dem kompletten wegtrimmen (zupfen) der Haare. Hier ist noch nicht nachgezupft worden. 


Es werden noch vielfach Nothaare nachkommen, da sie bereits unter der Haut im Wachstum sind, der Unterschied ist jedoch bereits immens.

Start

Hierüber der Rücken vor dem Trimmen, also  im Urzustand nachdem das Haar mehrfach geschnitten wurde.

5 Monate nach den Entfernung der Nothaare

Greta’s Haare sehen nun wieder wie Rauhaar aus, die Pigmentierung  kommt zurück und die Haare sind um ein vielfaches dicker und dichter. Siefühlen sich rauh an.


An der Schnauze finden sich noch Nothaare, gut erkennbar durch die hellere Farbe. Solche Haare kommen noch lange wieder, bis sie komplett aus den Haarkanälen gewachsen sind und entfernt wurden.


Auf der Grossaufnahme links ist gut zu erkennen, wie zahlreiche gesunde rote und schwarze rauhe Haare zurück sind, dabei waren sie 5 Monate zuvor nur noch vereinzelt zu finden. 


Auch sind noch viele feine, helle Haare vorhanden: es handelt sich um Nothaare.Diese kommen über längere Zeiträume immer wieder, denn viele davon sind noch im Wachstum unter der Haut. Es dauert, bis das Haar sich erholt, bei manchen ist es stellenweise kaum noch zu retten, aber dran bleiben lohnt sich meist doch. 

Den Unterschied zwischen rauhem Haar und Nothaaren sehen Sie auf dem Bild hierneben. Die feinen, verfilzenden Haare sind Nothaare, die dickeren, längeren sind rauhe Haare. Unterwolle ist nicht vorhanden.

Zeitrahmen:

+ 5

Monate

Viele Trimmer greifen aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit spätestens beim Kopf ( Bart, Brauen, Lauscher, Seiten) zur Schere, mit verheerenden Folgen. Zur Erinnerung, dadurch war Greta nicht mehr als Rauhi zu erkennen, sie war am ganzem Körper geschnitten (Bild links hierunter).


5 Monate nach dem Anfang der Fellrettung und nach bereits zweimaliger Entfernung der Haare im gesamtem Kopfbereich, geht es weiter, nun soll der Bart wieder schön werden.

Überall kann man Bilder von geschnittenen Bärten (gerne auch in groben Stufen…) in sozialen Medien sehen. Dabei darf der Bart nie geschnitten werden, denn sonst wird er - wie auf dem Bild links vor Anfang der Fellrettung ersichtlich - weich, blass und unschön.

Zeitrahmen:

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Zeitrahmen:

+ 5

Monate

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+ 5

Zeitrahmen:

+ 5

Monate

Monate

Durch die Vorbereitung in den letzten Monaten ist viel passiert. Die Farbe und die Haarqualität haben sich dramatisch verbessert. Auf dem Bild hierunter links ist zu sehen, wie eine Barthälfte bereits von vielen Nothaaren befreit wurde, während sie rechts noch den Bart durchsetzen. 

Das entfernen von Barthaaren ist nicht schmerzhaft und überhaupt nicht zu vergleichen mit der Entfernung von Barthaaren bei Männern! Es handelt sich um ganz anderes Haar.


Greta ist wieder rot und nun wird auch keiner mehr fragen, was es für eine Rasse ist.

Nach einem Jahr

Es war ein langer Weg und es wird noch Zeit brauchen, die Haare noch weiter zu verbessern. Nothaare kommen noch sehr lange durch. 


Da die kleine Maus jung sterilisiert werden musste aufgrund einer Gebärmuttervereiterung, ist es noch schwieriger, wieder Qualität aufzubauen. Der Hormonmangel wirkt sich stark auf das Haar aus.


Es ist jedoch links sofort zu sehen, wie das ungetrimmte Haar nun eine bereits deutlich bessere Struktur und Farbe hat.


Das grösste Problem ist wie üblich an den Beinen zu finden, dort kommen nach Jahren noch Nothaare durch.


Nach einem erneutem Durchgang sieht man, wie aus dem kleinem Möchtegern-Rauhi, ein richtig schöner Hund geworden ist.


Schauen Sie sich den Rücken an. Vergleiche mit den Bildern zu Anfang vor einem Jahr machen deutlich, dass das Unmögliche bereits möglich gemacht wurde.

+ 1

Ein Jahr

Jahr

Nach drei Jahren

Greta wurde zu einem neuem Hundefriseur gebracht, das Ergebnis? Verheerend. 


Die Person, mit “20jähriger Erfahrung” hat sie verunstaltet und die Basis gelegt für neue Nothaare. Von Rolling Coat (die mehrschichtigen Decken, also Haare in unterschiedlicher Wachstumsphase und Länge, wovon nur die älteste und längste entfernt wird)  keine Spur, alles was rauh war ist gezogen worden, ohne überhaupt auf die unterschiedlichen Decken zu achten, was nicht geschafft wurde, ist grob geschnitten worden.

Vielen Dank dem Halter, der den langen Weg auf sich genommen hat, damit diese Bilder gemacht werden konnten, denn nur durch das zeigen solcher Ergebnisse, kann Aufklärung erfolgen. 


So sieht ein Hund aus, der wie ein Huhn komplett “gerupft” wurde, (Bild links). Da ist vor allem Unterfell zu finden, hier und da vereinzelt rauhe Haare in allen Längen.

Der Kopf wurde genauso verunstaltet: 


die Brauen wurden geschnitten, das Haar auf dem Kopf, die Ohren, sowie der Bart genauso.


Die deutlichen Schnittkanten sind überall zu sehen. 


Damit wurden die Weichen gelegt, dass Greta bald wieder aussieht, wie es mal angefangen hat. 



Gibt es eine Lösung, um das zu verhindern? Ja, sie erfordert viel Geduld, denn es wird lange dauern, bis sie wieder aussieht, wie es sein sollte. Alle geschnittenen Haare müssen raus, auch der Bart, die Augenbrauen…Was nicht gezupft wird, führt unweigerlich zu Nothaaren und dann ist sie wieder am Ausgangspunkt angelangt und wird nicht mal mehr als Rauhaarteckel erkennbar sein.


Ich kann nur hoffen, dass viele Hundefriseure, die es nicht besser wissen, hiervon etwas lernen, damit weniger Dackel so schlimm aussehen.

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